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Unser Leben, naja. Schnell kommt der Wendepunkt, mit wilden Rosen und Blick aufs Ende,  „weh mir!“ und etwa dort stehn auch die beiden Stimmen dieses Liedes, ein Paar, das gemeinsam singt: „Von unserm Leben sind  nur ausgedrückte Kippen übrig“. Und doch war da ja ... der Glaube? Ja, wie eine Leuchtreklame über diesem  verrauchten Leben, die Liebe. Unser Leben Was gibts zum Abendessen, Liebste? Welcher Wind wird uns überraschen? Welche vorausgesehne Änderung wird Das Kreuz unsrer Schmerzen zieren? Am Ende bin ich nur ein Mann Verloren in der Finsternis Ich bitte immer weiter um Vergebung und dann, wer weiß Welcher Christus sie bringt Der Sommer ist zu Ende Von unserm Leben sind nur ausgedrückte Kippen übrig Und ein riesiges Nichts Tu – tu – tu – tu uh uh Entweihte Nächte ohne Ausweg Doch beleuchtet von riesigen Neonschriften Ich werde dich immer lieben Tu – tu – tu – tu uh uh Wer hat die Wahlen gewonnen, Liebster? Welche Leere wird uns regieren? Welches Alte Testamen...

Heraus zum primo maggio, mit Elio e le storie tese

In Italien gab es ja bis in die Neunziger eine richtige Kommunistische Partei, die zweitstärkste  des Landes, welche, im Verein mit fröhlichen Kleingruppen wie „Democrazia proletaria“ am  1.Mai Volksstimmung machte. Die Partei ist nun weg, zersplittert oder aufgelöst oder so etwas,  aber der erste Mai ist geblieben. Am ersten Mai gibt’s ein Konzert oder Remmidemmi. Heute eher nur noch Konzert, vor allem  in Italien. Das größte jedes Jahr in Rom, dann verstreut im Lande, aber immer und vor allem:  gratis! Wo sind nu die Protestler von früher? Das stellen wir uns so vor, rund ums besetzte  Sozialzentrum, leicht südlich gesprochn, etwa, mit Elio : „Da rennt da Bua ins Sozenzentrum Da läuft da Schandarm, der ihn fangen wü Da läuft der Metallarbeiter und schwingts Pleuel Da läuft die mit dem Piercing, die nicht so toll aussieht“ Gibt es aber ja alles nicht mehr. Bleibt das Konzert. Das Mailänder in der früheren  Arbeitervorstadt Sesto San Giovanni, „“St...

Brennen soll die Stadt! Irene Grandi oder Francesco Bianconi?

Alles soll weg. Nur wir zwei … etwas futuristisch vorgestellt: Die Stadt soll  abbrennen! Einstürzen! Alles verschwinden! Ich schütze dich. Von Irene Grandi gesungen kennt diesen Text jeder, der in den letzten  fünfzehn Jahren in Italien war. Von Irene Grandi zu Pop-Musik geschrien  war das ein Welterfolg. Nun singt der Autor des Lieds es selbst. Sehr melodisch und ruhig führt  er vom grellen Anfang zu einem überraschenden Schluss. Non posso che  leccare : Ich kann nichts als lecken. Erotisch zu verstehen? Il tuo profondo ,  deine Tiefe? Auslecken? Ablecken? Oder lecken wie ein Hund … als Reim auf adorare : verehren, bleibt vielleicht nur das: auflecken? Brennen soll die Stadt Einstürzen das Hochhaus Nur du liegst hier allein Nackt in meinem Bett. Brennen soll die Stadt Auch im Schrecken leben Im Laufe zweier Stunden Soll alles hier verschwinden Alles andere verschwinden Und alle Mädchen/Jungs wie du Haben nichts, so wie du Ich kann nur bewundern Ich ...

Tschüs und Hallo zum Versinken (Bianconi)

  E s sei Nacht. Loch im Hals. Ciao. Hallo. „Hallo, hallo Ein Loch, das sich nachts in deiner Kehle auftut Hallo, hallo Stern, der allein zieht Du spuckst auf den Boden Hallo, hallo Tier der Zukunft Musik, die schon vor der Pest von Milano da war“ Vor 1629, vor Renzo und Lucia, vor der Zeit … Hier setzt Pianobegleitung  ein … „Hallo, hallo Lass dich nicht gehen Licht ohne Ende Hallo, hallo Rose der Felsen Christus auf den Dornen Hallo, hallo Lebendig begrabener Hund auf der Prenestina“ Dreifach. Licht aus Laurins Rosengarten? Christus trägt die Dornen wo? Sitzt auf  Dornen, voll Unruhe. Und der Hund? Pasolini hatte ihn schon gekannt, diesen  Köter an der römischen Ausfallstraße. „Er hat keine Würde zu verteidigen, seiner  Gutmütigkeit/ Freundlichkeit wegen“. Weil er gut ist. Säße er noch da und wartete, lebendig begraben?  Unruhe und kleine Hoffnung. Nun: „Leben oder sterben miteinander Gut miteinander Liebe machen Ohne die alten Ketten Sich nicht die Puls...

Mailänder Unterweltgesänge: der 13. August

Die Ligera , wie es hier hieß, also wohl die Leggeri , die Leichten, Kleinkriminelle, Ganeffen oder Ganoven wie du und ich, Taschendiebe und Hehler und so weiter, gaben im alten Milano den Ton an, bis die organisierte Kriminalität aus dem Süden, so etwa in den Siebzigern, die Sache in der Stadt und in den Städtchen drumrum in die Hand nahm, wo sie diese bis heute hält.  In der alten Zeit kamen aus dem Süden vor allem die Beamten, auch die Polizisten, welche unter denen für Ordnung sorgen sollten. die sie nicht immer verstanden haben werden. Denn beide, Staatsvertreter und Verbrecher, sprachen Dialekt, ein jeder den seinen.  Im Umfeld der Ligera : Prostituierte, auch Sängerinnen oder Chanteusen oder, wie man hier sagt  Sciantose , welche in so Lokalen auftraten. Darunter gab es eine des Künstlernamens Rosetta, offenbar besonders schön und besonders lieb, in welche sich ein Carabiniere verliebte. Sie weist ihn ab und er schlägt sie tot, und das am 13. August 1913, wovon da...

Das mit der Seele ... nach Zen Circus

"Laura schaut aufs Meer". Das Meer bleibt, ist immer da. Die Zeit hingegen: jaja, geht fort, ist schon weg.  Dann wär da noch die Seele, oder nicht. Ist doch egal. was solls? Was bleibt, ist Italien,  "dieses Land", Drecksland. Da auch der Nordosten: Venetien und Friaul, wos nur Meer gibt, Wind, Berge und Arbeit, immer Arbeit und n Schnaps hinterher, noch Grappa oder schon Slivoviz, für manche auch richtige Drogen, immer die Ärmel aufgekrempelt. Also ab ins Meer? die Klippe runter, senkrecht rein, frei und glücklich"? Nur "keinen Mucks", "die Seele zählt nicht". Laura schaut aufs Meer, wie das nur  die Kinder des Nordostens können. Doch Venedig ist nicht das Meer, ist nur ein Ideal an das du nie glauben wirst nie und nimmer Sie wirft die Haare über die rechte Schulter, zeigt die Zeichnung, die ihr Vater nicht sehn darf. Aber jetzt hat auch der Pfarrer eine Tätowierung mit dem Text: "Meine Seele gehört Gott". Die Zeit bleibt nicht s...