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Giorgio Gaber wäscht sich die Haare: das Shampoo ist wie eine Riesenmama

Zu den großen Geheimnissen der damaligen Rauch- und Nebelstadt Milano, Mailand, gehört die Geburt eines Trios von Künstlern, die alles übertreffen, was Italien in den Sechzigern an Einfällen und Meisterschaft zu bieten hat. Den ersten der drei, Adriano Celentano, kennt in Europa bis weit nach Russland ein jeder. Die anderen beiden heißen Enzo Jannacci, Arzt und Sänger, und Giorgio Gaber, Sänger und Clown, wenn man das so sagen darf. Bis in die siebziger Jahre waren beide im Fernsehen zu bewundern. Seitdem gibt es dort nur noch neapolitanischen und römischen Humor und die Musik, nun. Der Norden des Landes ist vom Bildschirm verschwunden. Nur bei ihrem Tod erinnerte man sich der beiden Mailänder. 

Sowohl Gaber als auch Jannacci haben als Mailänder Sänger begonnen. Während aber Jannacci mit El purtava i scarp de tennis, über einen, der wie ein Penner aussieht in seinen Sportschuhen, zunächst im Dialekt singt, preist Gaber in der Ballade von Cerutti, Dino ein Geschöpf der Mailänder Vorstadtunterwelt auf Italienisch. Dieser Cerutti, wie er hieß, wurde von den Freunden in der Kneipe im Giambellino, einer auch heute noch eher ärmlichen Zone im Westen der Stadt, der Drache und der Zauberer genannt, was auf komische Art zu seiner wirklichen Existenz zwischen Knast und Kneipe im Gegensatz steht.   


Damit ist zwar der spöttelnde, aber noch nicht der unwahrscheinliche Gaber hörbar. Der kommt später, etwa mit Mi faccio uno shampoo: "Ich mach mir n Shampoo". Ja, wäscht sich die Haare. Hier wird das Glück des Haarewaschens mit duftenden, farbigen, cremigen Spülungen, Lösungen Emulsionen und Schäumen besungen. 



Die allgemeine Situation ist schnell dargestellt. "N scheußlicher Tag / eingesperrt zu Hause, nachdenklich / ein verschwendetes Leben / nichts zu machen / da gibts keinen Ausweg", oder? "vielleicht mach ich mir n Shampoo"

"Ein Shampoo?" Und wieder! "Ein seltsamer Tag / kein Blatt bewegt sich / ich hab den Kopf wie in Watte / und keine Lust zu nichts / es gibt keinen Ausweg". Außer dem Shampoo. "Das Wasser fließt herab, es strömt, warm, kalt, warm ... richtige Temperatur! Rotes und gelbes Shampoo, welche Marke wollt ihr lieber? Die hier! Sanft, weich, weiß, leicht, leicht wie Sahne, wie Schnee", nun?  

Scende l'acqua, scroscia l'acqua / calda, fredda, calda... / Giusta! / Shampoo rosso e giallo, quale marca mi va meglio? / Questa! / Schiuma soffice, morbida, bianca, lieve lieve / sembra panna, sembra neve

Gesprochen: "Der Schaum ist etwas Gutes, wie die Mama, die dir über den Kopf streicht, wenn du traurig bist und müde: eine riesige Mama, eine Mama in weiß.

Doch es geht weiter: "Ich spüle, spüle, spüle aus": 
sciacquo, sciacquo, sciacquo. Zweiter Durchgang. "Ich bin sicher, dass das gelbe ohne Kampfer besser ist. Die besten sind teurer, weil sie gegen Schuppen sind". Schaum! "Sanft, weich, weiß, leicht, leicht wie Sahne, wie Schnee". "Der Schaum ist etwas Reines, wie die Milch: reinigt von innen. Der Schaum ist etwas Heiliges, was die klägliche, die niedergeschlagene, bedrückte Person reinigt. Er ist etwas Heiliges. Wie die Heilige Messe".

"Ich spüle, spüle, spüle aus. / Ffffff .. Föhn". Sciacquo, sciacquo, sciacquo. 
Fffffff... Fon. Eine Feier, eine Messe fürs heilige Gut, das käufliche, ein Heilsversprechen.




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