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Herz, platz in meiner Brust und trag mich fort. Appinos Wutgesänge (1)

Italien, singt Appino, sei „un buco di paese“: „ein Loch von einem Land“.  Besser könnte man es kaum sagen. Es ist ja keiner mehr da, keiner unter sechzig , der irgendwas könnte. Was da ist: Vertrottelte Milliardenerben, sich  ableiernde Riesenfirmen ohne Kraft außer der, alles um sich herum zu  ersticken, verdorrte Universitäten und die Politik, oha. Davon redet aber  auch niemand mehr. Die da oben oder da hinten machen irgendwas, wir  hören, sehen und lesen von VIP-Skandälchen, von Celebrities auf Inseln,  hier und da von einem Frauen- oder Kindermord, der dann mit allen Details  durchs ganze große leere Land schwappt. Yidalì. Kein Geld! Was ich will, sind Drogen Kein Scheiß jetzt, behalt dein Portemonnaie Ach! Musik, die den Leuten gefällt, die hast du? Los DJ, drück auf Play Der Stylist kleidet eine neue Queen ein, nen neuen Star Wie viel Schönheit, was ne Persönlichkeit Du, schau zu, staune und eines Tages, vielleicht Wirst du sein wie sie Grusel...

Giorgio Poi: Wo die Lieder wohnen

Mit beiden Füßen fest, am Morgen frisch? Ich schau in den Spiegel, bevor ich rausgeh Zur Sicherheit, zur Kontrolle Ja, ich bins Du hast mir auf den Lippen so ein Likörrot hinterlassen, deinen Herpes Sì, sono io Mi hai lasciato sulle labbra il rosso dell'alchermes, il tuo herpes Frisch angesteckt? Es ist Krieg! Menschen gegen Insekten Atombomben auf Bienenstöcke Im Notfall mit den Flügeln schlagen Wie? Das ist das Leben Low cost Von Ferien in wunderschönen Resorts träumen Auf schwebenden Inseln zwischen Süd- und Nordpol Wo du nur mit Geld hinkommst, wo die dunklen blond werden Wo du nicht du bist, und ich nicht ich Dove tu non sei tu, e io non sono io Eine Verheißung? Mit Spucke ein Loch in den Himmel schießen Bucare il cielo con uno sputo Der steht ja gar nicht, der liegt. Suchtest Gott, aber du findest ihn nicht und sie fällt auf dich zurück Cercavi Dio, ma non l'hai trovato e ti torna indietro Die Spucke der Gottsuche. Zwischen Tannennadeln und Brombeerbüschen Wer weiß, ...

Giorgio Poi: Im Supermarkt. Dem norditalienischen

Wer das Lied „Im Supermarkt“ von Giorgio Poi hört, sollte nicht an einen deutschen Depressionsmarkt wie Penny  oder die Gemüsesuppendosengänge bei Kaufland oder Edeka denken. Der eine oder andere  Rewe käme vielleicht in Frage, da wären aber sicher die Gänge noch zu eng und die Regale zu  niedrig. Das Warenangebot muss in Italien weit über Kundenköpfe hinausragen. Gleich hinter dem  Eingang braucht es knallbunt, weit ausladend Obst und Gemüse, dann kommen Fisch, Fleisch und  Aufschnitt in Massen: Es riecht nach Kochschinken. Italiener geben bekanntlich ein paar Prozent  ihres Gehalts mehr fürs Essen aus als die Deutschen, welche knickrig. Lied von der Platte So ein italienischer Supermarkt ist daher schon mal das passende Ambiente, wenn einer va a  cucca, cioè auf Jagd geht nach verfügbaren Liebespartnern. In Milano galten lange die großen  Supermärkte von Esselunga als Geheimtipp, also nicht die ganz großen wie in der Vorstadt Sesto ...

Lieber salzig. Giorgio Poi kommt nicht mehr in deinen Gartenpool

Salzwasser? Oh: Wenn sich in den Augen ein Ozean bildet Wie lange wird der bleiben? Solange, wie nötig Se negli occhi si formerà un oceano Quanti giorni si fermerà? Tutti quelli che servono Da tut was weh. Gleichwohl lädt er sie ein, sie fand ihn doch witzig. Hat das so gesagt, oder?  Aber komm mich mal besuchen, wenn du lachen willst Eigentlich stirbt er gerade, im Sinne: Man kann sterben ohne zu sterben, leben ohne zu leben Si può morire senza morire, vivere senza vivere Sie findet ihn witzig. Ihr Aber denken wir uns. Er hält daher lieber Abstand. Vom Süßwasser in ihrem Gartenpool.  Sorry, aber ich kann nicht kommen, nein, mhm-mhm-mhm In gewissen Wässern kann man nur ertrinken, ich weiß, ich weiß In deinen Pools schwimm ich nicht mehr Mhm, mhm-mhm-mhm, mhm-mhm Scusa, ma non posso venire, no, mhm-mhm-mhm In certe acque si può solo annegare, lo so, lo so Non ci nuoto più nelle tue piscine Mhm, mhm-mhm-mhm, mhm-mhm Die ganze Stadt hustet seit ner Weile, uh-uh-uh Du hörst, dass ...