Passa ai contenuti principali

Mit zwanzig war ich ...

ein Arschloch, singen die da im Mailänder Alcatraz und die Bewohner der norditalienischen Stadt und ihrer Provinzen schreien mit, sie springen und singen, was es im sonst eher verklemmten Angestelltenstädtlein nicht alle Tage zu sehen gibt. 

Alle scheinen die nicht eben simplen Texte der Gruppe auswendig zu kennen. Was im Falle von "Ich war erst zwanzig" allerdings noch angeht. "Mit zwanzig war ich ein Arschloch" (es gibt auch ein T-Shirt  mit dieser Aufschrift) und "mit zwanzig war ich immer so müde", das berührt vermutlich jeden? Andres geht nur Italiener an: "Ein Regiment armer Parteiarbeiter / ein schneller Fick und schon den Ring am Finger / mit zwanzig wuchsen die Verlierer, die sie in die Welt gesetzt hatten/  mit Karies auf". Doch dann wieder,  jetzt alle: "ich erinnre mich an einen Platz, ich war schon schlecht angezogen / überzeugt keiner von denen zu sein/ ich hatte vorzeitig farbenblind gewordene Freunde, die warn schon traurig / fröhlich fatalistisch". 

"Von der Terrasse am Meer ins Jugendzentrum, haufenweise Spucke und das war der Anfang vom Ende / da gabs den, der schon arm war und den, ders erst wurde / am Ende" .. tja ... "brachte das Vögeln sie um", Kind und Ring und so weiter.  Das kennen wir aus der Schule, nicht? Plötzlich war eine weg, verheiratet und wohnte in Baumheide. 

Und das? "Taschen voll mit orientalischem Zeug / Strandoptimismus und ganz besondere Taschenmesser/ und ich glaubte an den Moment wie an den Weihnachtsmann / der im Grunde immer gleich ist".  So, von einzelnen Erinnerungen geht es, ein Blitz,  direkt ins Herz, welches denkt.

Durch Mark und Bein, so sagt man doch? rüttelt Appinos Stimme, dazu der höllische und teuflisch genaue Krach der Musiker. So etwas kommt nicht aus dem Fernsehen. Zen Circus gibt seit zwanzig Jahren unermüdlich Konzerte. Ich stehe da bei einem und staune: Es gibt Schönheit, und sie ist laut.  

Zur Ergänzung Paul Nizon: 

J'avais vingt ans. Je ne laisserai personne dire que c'est le plus bel âge de la vie. Tout menace de ruine un jeune homme: l'amour, les idées, la perte de sa famille, l'entrée parmi les grandes personnes ….








Commenti

Post popolari in questo blog

Giorgio Poi: Im Supermarkt. Dem norditalienischen

Wer das Lied „Im Supermarkt“ von Giorgio Poi hört, sollte nicht an einen deutschen Depressionsmarkt wie Penny  oder die Gemüsesuppendosengänge bei Kaufland oder Edeka denken. Der eine oder andere  Rewe käme vielleicht in Frage, da wären aber sicher die Gänge noch zu eng und die Regale zu  niedrig. Das Warenangebot muss in Italien weit über Kundenköpfe hinausragen. Gleich hinter dem  Eingang braucht es knallbunt, weit ausladend Obst und Gemüse, dann kommen Fisch, Fleisch und  Aufschnitt in Massen: Es riecht nach Kochschinken. Italiener geben bekanntlich ein paar Prozent  ihres Gehalts mehr fürs Essen aus als die Deutschen, welche knickrig. Lied von der Platte So ein italienischer Supermarkt ist daher schon mal das passende Ambiente, wenn einer va a  cucca, cioè auf Jagd geht nach verfügbaren Liebespartnern. In Milano galten lange die großen  Supermärkte von Esselunga als Geheimtipp, also nicht die ganz großen wie in der Vorstadt Sesto ...

Giorgio Poi: Wo die Lieder wohnen

Mit beiden Füßen fest, am Morgen frisch? Ich schau in den Spiegel, bevor ich rausgeh Zur Sicherheit, zur Kontrolle Ja, ich bins Du hast mir auf den Lippen so ein Likörrot hinterlassen, deinen Herpes Sì, sono io Mi hai lasciato sulle labbra il rosso dell'alchermes, il tuo herpes Frisch angesteckt? Es ist Krieg! Menschen gegen Insekten Atombomben auf Bienenstöcke Im Notfall mit den Flügeln schlagen Wie? Das ist das Leben Low cost Von Ferien in wunderschönen Resorts träumen Auf schwebenden Inseln zwischen Süd- und Nordpol Wo du nur mit Geld hinkommst, wo die dunklen blond werden Wo du nicht du bist, und ich nicht ich Dove tu non sei tu, e io non sono io Eine Verheißung? Mit Spucke ein Loch in den Himmel schießen Bucare il cielo con uno sputo Der steht ja gar nicht, der liegt. Suchtest Gott, aber du findest ihn nicht und sie fällt auf dich zurück Cercavi Dio, ma non l'hai trovato e ti torna indietro Die Spucke der Gottsuche. Zwischen Tannennadeln und Brombeerbüschen Wer weiß, ...

Giorgio Poi: Di pomeriggio spielen die Schatten

Sommersonne, Wintersonne: Schatten, kurz und lang. Der Winter kommt gleichwohl bedrohlich.  Sommersonne: Nachmittage, Sonnenmomente, Schatten wie Spiele nur, nichtsnutzigst Glück gefühlt, gedacht  auch, erlebt und weg. Diese Momente gleiten vorbei und kommen nicht wieder, das weißt du.  Bleibt etwas wie Trauer, selige Trauer? Reiß dich zusammen! „Wenn ich mich nicht ändre, geht  das nicht gut aus“. Wintersonne: Die Schatten werden länger. So lang werden die! Winterkälte: Noch staunst du und lebst. Dann kommt aus dem Norden, von da ganz oben, die Kälte nicht nur,  da kommen auch die Auswahlverfahren für Stellen als Soundso. Der Ernst des Lebens. Die  feste Stelle, ein italienischer Traum! in einem Mailänder Büro oder in einer Schule da im Norden. „Wir werden nie wiederkehren“. Es gab, gibt so Momente „Wir werden nie wiederkehren“, singt Giorgio Poi; " Non torneremo mai più" . Von den Momenten? Oder von uns, während  die blieben? Ist gleich, es ist a...