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Wie wir aufwachsen ... crescere a Vasco e pippe

Wie wir aufgewachsen sind, ist ja meistens eine weniger interessante Geschichte und lässt sich mitunter trefflich in vier Worten ausdrücken. 
Zwei oder drei oder fünf Generationen von italienischen Männern haben nun am Samstag beim Konzert des Altrockers Vasco Rossi die rechten Worte gefunden, welcher bekannt ist für etwas wie 


Siamo solo noi / Che non abbiamo più rispetto per niente / Neanche per la mente (...) Quelli che poi muoiono presto / Quelli che pero' e' lo stesso, also etwa

Wir sind es bloß
die keinen Respekt mehr haben, vor gar nichts
nicht mal vor dem Geist 
die, die früh sterben
die, die ist ja eh egal.

Vasco Rossi trägt seit Jahrzehnten in immer gleichen Rocksongs immer dieselbe Attitüde dessen vor, der glaubt, ein Joint und abends lange aufbleiben mache eine Rebellion gegens große Ganze aus. Vogliamo una vita spericolata, singt er auch: "wir wollen ein waghalsiges Leben": 

Was er will, ist: Voglio una vita maleducata / Di quelle vite fatte, fatte così / Voglio una vita che se ne frega / Che se ne frega di tutto, sì / Voglio una vita che non è mai tardi / Di quelle che non dormo mai / Voglio una vita di quelle che non si sa mai

"Ich will ein schlecht erzogenes Leben", oh Schreck! "Eins von denen, die gestoned sind, so gestoned sind" (fatta ist natürlich doppeldeutig, könnte auch heißen: "gemacht"), "eins von denen, dem's egal ist / dem alles egal ist, ja". Schlafen wolle er auch nicht. Das alles ist natürlich herrlich in abendlichen Bierchören nachzusingen, aber als Aufstandsgesang ist es wohl eher, nun, das, was die wunderbaren Skiantos schon in den achtziger Jahren gesungen haben:

Pronto, passami la mamma / la mamma lo so che è ancora sveglia nella stanza / (…) stanotte non torno li a dormire / no mamma /resto fuori, non c'è niente da spiegare / giuro, non è per farti male / no dormo fuori, e non farmela pesare (…) / sono un ribelle, mamma /su vai a letto, non star sveglia nella stanza
"Hallo, bitte gib mir mal die Mama / ich weiß doch, die Mama ist noch wach in ihrem Zimmer / heute Nacht schlaf ich nicht zu Haus / nein, Mamma / ich bleib weg, da gibt es nicht zu erklären / ich schwör's, ich will dir nicht wehtun / nein, ich schlaf woanders, mach mir keine Schuldgefühle / ich bin ein Rebell, Mama / los, geh schlafen, bleib nicht mehr wach in deinem Zimmer". davon übrigens eine Version von J-Ax, dem früheren Lead singer von Articolo 31
Ciao mamma sono Alessandro, / Va' che stasera non torno perché vado a fare brutto / A uno che m'ha scritto un commento negativo su YouTube: "Hallo Mama, ich bin's, Alessandro / Hör mal, ich komm heut Abend nicht / hab noch ne Rechnung offen (oder: auf Hass machen?)  / mit einem der mir einen negativen Kommentar auf Youtube geschrieben hat". 

Vasco Rossi liegt Ironie fern. Er singt seit vierzig Jahren dasselbe. So können heute Millionen von italienischen Männern sagen, was beim großen Konzert auf einem Transparent zu lesen war: sono cresciuto a Vasco e pippe, oder: "Ich bin aufgewachsen mit Vasco und Wichsen". Farsi una pippa nämlich: sich einen runterholen.  Rein poetisch betrachtet: a-o / i-e  (zwei hintere, gefolgt von zwei vorderen Vokalen), auf Deutsch gar a-sk-o / i-ks-e. Hübsch, nicht? Natürlich schwa, nicht wirklich e. 



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